Mein Statement zum Projekt “selbstgeboren”

In den letzten Tagen wurde auf vielen verschiedenen Kanälen über das Projekt “selbstgeboren” von Hebamme Anna Virnich diskutiert. Viele äußerten Kritik vor allem an dem Namen des Projektes, u.a. auch in den Blogs “Geborgen wachsen” und “Mama notes”.

Ich möchte an dieser Stelle gerne eine Lanze für Anna Virnich und ihr geplantes Buch brechen.

Ich habe die Aktion “selbstgeboren” nämlich in keinster Weise negativ aufgefasst.

Vielleicht hinkt der Vergleich, aber ich möchte ihn trotzdem ziehen.
Es gibt mittlerweile viele viele Bücher, Websites, Fotosammlungen, etc zum Thema “stillen”. Frauen und Stillberaterinnen schreiben in Blogs und Zeitschriften darüber, wie schön es ist, ein Kind zu stillen. Es _aus eigener Kraft_ zu ernähren. Sie wollen zeigen, dass es geht, sein Kind zu stillen. Ohne Interventionen wie Stillhütchen, Milchpumpen, Fläschchen. Sondern auf ganz natürliche Weise, ohne all das. Dass “jede Frau stillen kann”.

Ich selber habe meine Kinder beide nur sehr kurz gestillt und das Bild, was in oben genannten Büchern und Internetseiten vom Stillen gezeichnet wird, hat nichts mit meiner “Still-Realität” zu tun. Ich habe es nie so empfunden. Für mich/uns hat sich die Ernährung mit Flaschenmilch als der für uns bessere Weg herausgestellt.

Trotzdem fühle ich mich von diversen Stillbüchern und -Internetseiten nicht angegriffen oder als Mutter 2. Klasse hingestellt. Wenn eine Stillmütter beschreibt, wie stolz es sie macht, ihr Kind “selbst zu ernähren”, “aus eigener Kraft”, “ohne Hilfe”, dann finde ich das schön und gönne ihr dieses Gefühl von Herzen. Dabei könnte ich diese Worte auch auf die Goldwaage legen und mich angegriffen fühlen. Denn ich als Flaschenmutter ernähre mein Kind genauso selbst. Ich koche das Wasser auf, rühre die Milch an, halte mein Kind im Arm und gebe ihm die Flasche. Das macht nicht Claus Hipp für mich, nur weil ich das Milchpulver seiner Firma benutze. Und genausowenig haben natürlich die Ärzte das Kind geboren, bloß weil es unter der Geburt medizinische Interventionen gab.

Ich fühle mich nicht angegriffen von Worten wie “selbst und aus eigener Kraft ernährt”. Ich verstehe, wie sie gemeint sind. Sie sind genauso gemeint wie das von Anna Virnich genutzte Wort “selbstgeboren”. Es geht darum, dass der Körper ganz alleine etwas vollbracht hat. Das ist etwas Großartiges, Wunderbares! Etwas, worauf man zu Recht stolz sein darf. Völlig unabhängig davon, ob das besser oder schlechter als wasauchimmer ist.

Es geht im Projekt “selbstgeboren” meines Erachtens nach nicht darum, verschiedene Geburtsmodi zu werten. Es soll einfach nur gezeigt werden, dass Geburten auch völlig ohne Interventionen funktionieren (können). Genauso wie viele Stillmütter und -beraterinnen aufzeigen wollen, dass Stillen völlig ohne Hilfsmittel funktioniert bzw funktionieren kann. Beides finde ich wichtig, da beides von immer noch viel zu wenigen Menschen gewusst wird. Beides heißt aber im Umkehrschluss nicht, dass Frauen die bei der Geburt oder bei der Ernährung ihres Babies Hilfsmittel oder Interventionen welcher Art auch immer gebraucht haben, Mütter 2. Klasse sind. Und das will auch überhaupt niemand sagen.

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