Wir zeigen unseren Kindern Wyk auf Föhr

Nachdem mein Mann und ich 2010 in Wyk auf Föhr heirateten waren wir nicht nochmal dort gewesen. Nicht, weil wir nicht gewollt hätten, sondern weil es sich irgendwie nicht ergeben hat. Mein großes Heimweh ließ uns unseren „Sommerurlaub“ jährlich bei meiner Familie und meinen Freunden in Niedersachsen verbringen, zudem war unser Geldbeutel chronisch leer und wenn wir überhaupt Urlaub machten, dann günstiger als es auf Föhr möglich ist. Jetzt nach dem Umzug müssen wir aber keinen Urlaub mehr in der Heimat machen, der Weg ans Meer ist kürzer und auch der Geldbeutel füllt sich langsam wieder. Und so beschlossen wir, dass es Zeit wird, unseren Kindern Wyk auf Föhr zu zeigen.

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Da wir unseren Sommerurlaub (nach Dänemark) zu diesem Zeitpunkt bereits gebucht hatten, fiel der Reisezeitraum für Föhr auf die erste Aprilwoche, was eine Premiere für uns war, denn alle bisherigen Föhr-Urlaube fielen in die Sommermonate. Wir buchten ein Ferienhaus für 6 Personen + 1-2 Kleinkinder in der Museumsstraße. Aus Kostengründen und weil wir eh primär Föhrs Hauptstadt Wyk erkunden und Erinnerungen auffrischen wollten, entschieden wir uns, unser Auto auf dem Festland zu lassen (es gibt einen eigens dafür geschaffenen Inselparkplatz) und zu Fuß auf die Insel zu reisen. Die Überfahrt mit der Fähre dauert ca. 50 Minuten, der Fußweg zu unserem Ferienhaus ca. eine Viertelstunde.

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Ganz wichtig war es uns, möglichst viele der Plätze zu besuchen und unseren Kindern zu zeigen, die wir auch von unseren letzten Föhr-Besuchen schon kennen, weil sie für uns einfach mit sehr vielen besonderen Erinnerungen verbunden sind. Ganz oben auf unserer Liste standen dabei das Dr.-Carl-Haeberlin-Friesenmuseum, wo wir 2010 geheiratet haben, der Park an der Mühle, in dem damals unser Hochzeits-Fotoshooting stattfand, die kleine Pizzeria „Pizza King“ und natürlich das Café Steigleder mit seinem Softeis mit Kultstatus. Leider mussten wir ziemlich schnell feststellen, dass wir genau eine Woche zu früh auf die Insel gekommen waren, denn obwohl die meisten Restaurants, Cafés und Eisdielen bereits geöffnet hatten, war ausgerechnet „Pizza King“ noch geschlossen und Steigleders Softeismaschine Christine befand sich auch noch im Winterschlaf. Schade. Alles andere konnten wir aber wie gewünscht besuchen.

Das Friesenmuseum, das nach dem deutschen Arzt und Heimatforscher Dr. Carl Haeberlin benannt wurde, wurde von uns gleich zu Beginn unseres Urlaubs besucht. Die riesigen Walknochen am Eingang zum Museumsgelände waren dabei eine besonderse Attraktion für unsere Kinder.

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Im Haupthaus geht man im Erdgeschoss zuerst durch die Abteilung für Geologie und Archäologie („Steine! Da! Noch mehr Steine!“) und gelangt schließlich in den Naturkunde-Bereich. Dieser war für unsere Kinder besonders kurzweilig, zum einen machen die vielen ausgestopften Vögel es für sie sehr anschaulich, zum anderen befindet sich hier eine kleine Höhle, in der Kinder sich Märchen anhören können, was unsere Kinder auch getan haben. Im Obergeschoss befindet sich allerdings meine liebste Sammlung. Hier ist alles über das Leben der Föhrer ausgestellt. Von der Baukultur über Trachten und die teilweise bis heute gepflegten Bräuche und Traditionen bishin zum Walfang und der Auswandererperiode. Wieder einmal hat mich dies alles sehr in seinen Bann gezogen und dank des Spielzimmers, das vor wenigen Jahren von einer FSJlerin des Museums im Zwischengeschoss eingerichtet wurde, konnten wir uns die Ausstellung im Obergeschoss auch ganz entspannt und in Ruhe ansehen.

Ein Muss für uns war natürlich auch die Besichtigung des Haus Olesen, dem ältesten erhaltenen Haus der Insel. In diesem Haus, in der „guten Stube“, fand 2010 unsere Trauung statt und die Kinder waren sehr neugierig zu sehen, wo Mama und Papa geheiratet haben.

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Außer diesen beiden Häusern gehört zum Friesenmuseum noch ein Außengelände mit Scheune, einer kleinen Mühle und einem Rosengarten, von dem wir im April aber natürlich noch nicht viel sehen konnten. Von unserem letzten Urlaub wissen wir aber, dass er sehr schön ist.

Auch den Park an der Mühle besuchten wir ziemlich zu Anfang unserer Urlaubswoche und hatten das Glück, dort aus nächster Nähe einen Storch bei der Futtersuche beobachten zu können.
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Während die Kinder in erster Linie vom Wasser (dem Teich und den Brunnen) fasziniert waren, grübelten mein Mann und ich über die Frage, wo genau im Park die einzelnen Hochzeitsfotos gemacht wurden. Manches war schnell wiedergefunden (die Bank, der Rosenbogen), anderes war schon schwieriger zu finden, zumal jetzt im April alles ganz anders aussah als damals im Juli. Trotzdem konnten wir alle Plätze mehr oder weniger genau rekonstruieren und zum Ende unseres Urlaubs machten wir dort noch ein paar schöne Familienfotos, so als Vergleich wie sich unsere Familie in fast 7 Jahren verändert hat.

Störche gibt es übrigens nicht nur im Park zu sehen, sondern mehr oder weniger überall auf der Insel, sei es in der Luft, in Gärten, auf Hausdächern oder sogar am Strand. Besonders nah kann man sie im Storchengehege neben der Villa Friede sehen, wo einige Paare seit Jahren brüten. Für unsere Kinder ein absolutes Highlight des Urlaubs, zumal es nebenan noch einige Meerschweinchen und Enten zu sehen gibt (letztere mussten während unseres Urlaubs leider eingesperrt bleiben wegen der Vogelgrippe). Ich glaube, wir sind hier jeden Tag mindestens einmal vorbeigegangen.

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Wenn man mit Kindern Urlaub macht, kommt man natürlich auch an Spielplätzen nicht vorbei. Gleich am 1. Urlaubstag führte uns unser Weg auf den wohl schönsten Spielplatz Wyks (wenn nicht gar der ganzen Insel!) – die Löwenhöhle. Dieser Spielplatz liegt wunderschön gelegen inmitten eines ebenso schönen Parks. Wir hatten ihn bereits 2010 entdeckt und für gut befunden, denn hier gibt es wirklich alles, was das Kinderherz begehrt: Schaukeln, Rutschen, Sandkästen, Klettergerüste, Sprechrohre und als besonderes Highlight gibt es eine Seilbahn. Das Elternherz erfreut das große und saubere Toilettenhaus.

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Neben all den schönen bekannten Plätzen, die wir unseren Kindern gezeigt haben, haben wir aber auch zusammen mit ihnen Neues entdeckt. So zum Beispiel einen sehr schönen Wasserspielplatz im Park neben dem Café Südstrand. Leider war es Anfang April noch zu kalt, um ausgiebig draußen mit Wasser zu spielen, aber unsere Kinder waren trotzdem jedes Mal Feuer und Flamme, wenn wir dort vorbei kamen und mussten jedes Mal gebremst werden. Bei wärmeren Temperaturen ist es sicherlich ein perfektes Kinderspielparadies. Und während die Kinder sich nass und schmutzig machen, können sich die Eltern sportlich betätigen, denn ebenfalls im Park befindet sich ein kleiner Trimm-dich-Pfad.

Vom Nordseekurpark waren wir spielplatztechnisch allerdings etwas enttäuscht. Auf unserem Plan waren dorf zwei Spielplätze eingezeichnet, aber den einen konnten wir gar nicht mehr finden und der andere wirkte etwas lieblos und war, als wir dort waren, zudem von Jugendlichen belagert, sodass unsere Kinder dort dann nicht spielen wollten. Stattdessen gingen wir wiedermal runter an den Strand, liefen den Promenadenweg weiter in westliche Richtung auf der Suche nach weiteren Planeten und entdeckten auch tatsächlich den Jupiter.

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Der Planetenweg ist eine tolle Idee, um Kinder bei einem „langweiligen“ Spaziergang bei Laune zu halten. Unsere Kinder haben es jedenfalls geliebt immer vornewegzuflitzen, nach neuen Planeten Ausschau zu halten und sich anschließend von uns vorlesen zu lassen, welchen sie da gerade entdeckt haben. Leider haben wir es nur bis zum Jupiter geschafft, da der Promenadenweg dann endetete und wir in den Fehrstieg abgebogen sind um noch einmal an der Ferienwohnung vorbeizulaufen, in der wir bei unserer Hochzeitsreise 2010 gewohnt haben. Vielleicht schaffen wir es, Saturn, Uranus und Neptun bei unserem nächsten Urlaub auf der Insel zu entdecken.

Ein weiteres neues Ausflugsziel war für uns das Robbenzentrum. Jeden Dienstagnachmittag sollen hier gegen eine Spendenempfehlung von 5,- € Kinderführungen stattfinden. Wir waren im letzten Jahr bereits in der Seehundstation Norddeich gewesen und stellten uns so eine Kinderführung ganz toll vor, leider entpuppte sich dieser Ausflug allerdings als totaler Flop. Die leitende Tierärztin des Zentrums, Janine Bahr, (die, wie wir mittlerweile wissen, sehr umstritten ist) machte alles andere als einen sympathischen Eindruck, sie wirkte fanatisch und selbstverliebt, permanent liefen auf einer großen Leinwand Filmbeiträge über sie und ihren Mann André van Gemmert, der im ebenso umstrittenen Zeehondencentrum Pieterburen arbeitet. Die Führung verlief chaotisch, ohne roten Faden und wenig kindgerecht. Beim Vortrag kam Frau Bahr ständig vom Thema ab, dann verteilte sie Ausmalblätter für die Kinder, damit sie sich nicht langweilen, beschwerte sich aber dann, dass die Kinder nicht mehr zuhören und nach 3 Minuten sollten alle Kinder die Blätter zur Seite legen, da der nächste Programmpunkt anstand. Unsere Kinder waren darüber ziemlich irritiert. Wir auch. Die nachgestellte Rettung eines Heulers war auch eher zum Fremdschämen. So wundert es also nicht, dass nicht alle Familien bis zum Ende geblieben sind. Wir hielten tapfer durch, in der Hoffnung, dass da „noch was kommt“, aber es kam nichts. So gingen wir schließlich alle enttäuscht von dannen und rechneten uns aus, wieviel Eis wir von den 25,- € hätten essen können – die sogenannte „Spendenempfehlung“ hatte sich nämlich an der Kasse als verpflichtender Eintrittspreis entpuppt, den auch Kleinstkinder schon zu zahlen haben.

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4 Tage lang hätte jeder von uns täglich ein Eis von Eis Kally essen können, denn dort kostet eine Kugel 1,20 €. Wie ich bereits anfangs schon schrieb, essen wir sonst bei jedem Besuch in Wyk auf Föhr Softeis im Café Steigleder, allerdings hatte dort die Softeis-Saison leider noch nicht begonnen, sodass wir uns für diesen Urlaub nach Ersatz umsehen mussten. Wir fanden ihn bei Eis Kally. Sie haben eine große Auswahl an Eissorten und sogar Softeis im Angebot (wenn auch nicht in so vielen Sorten wie es sonst bei Steigleder der Fall ist, sondern nur den Standardgeschmack). Besonders positiv fiel uns aber die nette und kinderfreundliche Bedienung auf, die es uns leicht machte immer wiederzukommen. Und so holten wir uns beinahe täglich ein Eis auf die Hand, schlenderten an der Promenade entlang, beobachteten die Fähren und sahen unseren Kindern beim Spielen zu.

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An unserem vorletzten Tag hatten mein Mann und ich das Glück abends alleine essen gehen zu können. Meine Mutter war für 3 Tage zu uns auf die Insel gekommen und passte abends auf die Kinder auf. Da wir gerne Fisch essen wollten, entschieden wir uns für Klatt’s gute Stuben in der Innenstadt, was sich als echter Glücksgriff herausstellte. Die Einrichtung und Atmosphäre des Restaurants waren sehr angenehm und gemütlich, die Bedienung sehr freundlich und vor allem das Essen total lecker und die Preise angemessen. Ich hatte mich für Labskaus und zum Nachtisch Rote Grütze mit Milch entschieden, was beides so lecker war, dass ich keinen Bissen übrig lassen wollte. Anschließend war ich so pappsatt, dass ich nur noch zum Ferienhaus rollen konnte.

Nach einer Woche hieß es dann leider wieder Abschied nehmen von der schönen Insel. Aber wir wissen jetzt schon, dass wir wiederkommen werden. Nächstes Mal werden wir aber unser Auto mitnehmen und vielleicht eine Ferienwohnung auf einem der Bauernhöfe im Landesinneren mieten, um auch mal den Rest der Insel erkunden zu können. Bisher waren wir jedes Mal nur in der Hauptstadt Wyk gewesen, was aber nur einem kleinen Teil von Föhr entspricht.

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